Winfried Wolf kommt nach Reutlingen

Wini_Wolf_Veranstaltung

Winfried Wolf war in den 90er-Jahren für die PDS im Bundestag. Er ist Sprecher der Initiative Bürgerbahn statt Börsenbahn, einer Initiative, die sich gegen die geplante, teilweise Kapitalprivatisierung der Deutschen Bahn AG ausspricht.
1995 gab er mit einen Vortrag den Anstoß für die Bewegung gegen Stuttgart 21.
Seither ist er ein geschätzter fachlicher Begleiter des Protestes.
Seine zahlreichen Publikationen belegen seine Kompetenz als Verkehrsexperte.

Sozialer Wohnungsbau: Linke Liste hält an 30%-Quote fest.

Bereits im März 2015 haben Jessica Tatti und Thomas Ziegler von der Linken Liste als erste politische Kraft innerhalb des Reutlinger Gemeinderats Anträge mit der dringlichen Forderung nach mehr bezahlbarem Wohnraum auf den Weg gebracht. Kernforderung war eine feste Quote von 30 % an Sozialwohnungen bei allen größeren Bauvorhaben in Reutlingen. Hintergrund ist der eklatante Mangel an bezahlbarem Wohnraum, bedingt durch explodierende Mieten nach der Finanzkrise und durch den laufenden Wegfall von Wohnungen aus der Sozialbindung bei gleichzeitiger völliger Stagnation des Sozialen Wohnungsbaus in Baden-Württemberg. Die Zuwanderung im Laufe des Jahres 2015 hat diese Problematik noch wesentlich verschärft. Nachdem mehrere Fraktionen des Gemeinderats mit ähnlichen Anträgen folgten, wurden Verhandlungen über einen interfraktionellen Antrag aufgenommen. Tatsächlich konnte nach geraumer Zeit im Juni 2016 endlich ein mehrheitsfähiger interfraktioneller Antrag mit der Forderung nach einer grundsätzlich einzuhaltenden Quote von 30 % Sozialwohnungen auf den Weg gebracht werden. Die Linke Liste hat diesem Kompromiss zugestimmt, obwohl dieser die Möglichkeit von Ausnahmen vorsah.
Leider folgte die Verwaltungsspitze der Stadt Reutlingen nicht dem klar formulierten politischen Willen einer Mehrheit des Gemeinderats. Sie sprach sich öffentlich gegen eine feste Quote für den Sozialen Wohnungsbau aus und konterkarierte dadurch die Initiative des Gemeinderats mit einem unsäglich komplizierten und intransparenten Gegenvorschlag. Dieser unterscheidet in Bauvorhaben auf einerseits städtischen sowie andererseits privaten Flächen und basiert auf einer (teilweisen) Abschöpfung der planungsbedingten Wertsteigerung von Baugrundstücken zum Zwecke des Sozialen Wohnungsbaus, für preiswerten Wohnraum und preiswertes Wohnungseigentum. Der Grundgedanke ist diskutabel, aber für diesen „Reutlinger Sonderweg“ gibt es bislang in anderen Städten kein Referenz-Modell, während alle anderen Großstädte in Baden-Württemberg feste Quoten für Sozialen Wohnungsbau von 25 – 50 % beschlossen haben. Das Reutlinger Modell lädt Investoren förmlich ein zum Tricksen und es kann bei keinem Bauprojekt verbindlich vorausgesagt werden, wie viele bzw. ob überhaupt Sozialwohnungen gebaut werden. Aus für uns nicht nachvollziehbaren Gründen haben sich alle anderen Fraktionen von dieser „Nebelkerze“ der Verwaltung blenden lassen und stehen nun nicht mehr zu ihrer ursprünglichen Forderung nach der 30 %-Quote. Stattdessen hat man die städtische Vorlage mit einigen zusätzlichen Details aufgehübscht (dafür feierte man sich gemeinsam in der Lokalpresse), aber im Kern wird dem Verwaltungsvorschlag gefolgt.
Was ist nun die Konsequenz dieser Fehlentwicklung? Statt einer planbaren Zahl von einem Drittel Sozialwohnungen an den insgesamt jährlich projektierten ca. 500 Wohnungen in Reutlingen wird es eine Zahl X sein, die weit unter dieser Zielgröße liegen dürfte. Somit verschärft sich die Situation vor allem für alle wohnungsuchenden Geringverdiener (und nicht nur für die!), weil seit Beginn unserer Initiative noch keine einzige Sozialwohnung fertigstellt wurde. Gleichzeitig haben bereits über 500 bleibeberechtigte Flüchtlingen in den Gemeinschaftsunterkünften der Stadt Reutlingen kaum eine Chance auf eine eigene Wohnung. Die Stadt Reutlingen erfüllt in keiner Weise ihre Pflicht, ihren Bürgern ausreichend Wohnraum als unverzichtbare Existenzgrundlage bereitzustellen!
Achim Müller für den LAK Reutlingen

Stellungnahme der Linken Liste zum Haushalt

GEA, 15.02.2017

Jessica

Jessica Tatti

Die beiden Stadträte der Linken Liste Reutlingen, Jessica Tatti und Thomas Ziegler, bewerten die Beschlüsse des Gemeinderats »teils als enttäuschend, zum größeren Teil aber als Erfolg«. Schon der Verwaltungsentwurf habe »habhafte Ansätze« zum Erwerb von Flächen für die dringend benötigten Wohnraum- und Gewerbeoffensiven sowie die Umsetzung des neuen Buskonzepts enthalten.

»Auf Betreiben der Linken« konnten zusätzlich endlich die Jugendhäuser für Gönningen und Ohmenhausen durchgesetzt werden, freuen sich die beiden. Etliche andere Anträge samt Eintreten für Projekte der Bezirksgemeinden hätten ebenfalls Mehrheiten erhalten: von der Echaz-Brücke in Betzingen bis hin zur Roßberg-Halle in Gönningen.

Thomas

Thomas Ziegler

Anträge und Engagement der linken Räte bescherten zusätzliche Mittel für franz.K, Kamino, Zelle, Burning-Eagle-Festival und das Industriemuseum sowie die Kunst im öffentlichen Raum. Im sozialen Bereich habe man – im Schulterschluss mit den Grünen – unter anderem eine verbesserte Betreuung der Flüchtlinge sowie eine bessere Ausstattung des Familienforums durchsetzen können.

300 000 Euro jährlich: Der Antrag der Linken für den beschleunigten Ausbau des Radwegenetzes sei der weitestgehende gewesen und habe »überraschenderweise« eine Mehrheit gefunden.

Als deutlichen Wermutstropfen wertet man die »unheilige Allianz von CDU und Grünen«, die Planung und Bau von Jugendhäusern, Kitas und sogar Sportstätten der GWG »aufs Auge drückt«. Diese »Haushalts-Schummelei« werde nicht nur die Realisierung der Projekte in die Länge ziehen, sondern raube der GWG außerdem die Mittel für den dringend benötigten Wohnungsbau.

Die Linken beklagen zusammenfassend oft noch »fehlende Sensibilität« der Mehrheit des Gemeinderats für dringende soziale Aufgaben. Etwa für ein kostenfreies Kita-Jahr sowie die Erweiterung des Reutlinger Gutscheinheftes.

Jessica Tattis Haushaltsrede

jessica_28-01-2017_bSehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin, Kolleginnen und Kollegen, Damen und Herren, bei Einbringung des Haushalts dachten wir als LINKE LISTE, die Gangart durchaus begrüßen zu können. Er zeugte von einer anpackenden und völlig anderen Haltung der Verwaltungsspitze alsder letzte Entwurf, und setzte wichtige Investitionen ins Zentrum wie das neue Buskonzept oder den Erwerb von Flächen für Gewerbe und insbesondere für den Wohnungsbau.
Unsere Kritik am eingebrachten Entwurf betraf v.a. die Vernachlässigung der baulichen Schritte zur Gemeinschaftsschule und die Vernachlässigung der Jugend. Insbesondere die beiden Jugendtreffs Gönningen und Ohmenhausen fehlten im Entwurf völlig.
Die Vorberatungen haben dann gezeigt, dass fast alle Fraktionen das auch so sahen, und
Anträge zur Umsetzung der Jugendtreffs einreichten. Leider gibt es aber jetzt einen mehrheitsfähigen Antrag, initiiert von den Fraktionen CDU sowie Grüne und Unabhängige, die die Bauten der Jugendtreffs und andere bedeutende Projekte, wie die Sanierung der Oberamteistraße, auf die GWG abwälzen wollen und sie damit gleichzeitig gefährden.
Und das obwohl die Verwaltung die Jugendtreffs in den Haushalt immerhin nachträglich aufnahm, nachdem der politische Wille durch die Anträge verschiedener Fraktionen deutlich wurde.
Wir wissen heute nicht, ob die GWG diese Projekte überhaupt übernehmen wird jedenfalls soll heute über sie hinweg entschieden werden. Wenn die Mehrheit der GWG Aufsichtsräte sich querstellt, womit insbesondere bei der Mietervertretung auch zu rechnen ist, weil sie sich vermutlich eben für Mieterinteressen einsetzt und nicht für den Ausbau originär städtischer Infrastruktur in diesem Ausmaß. Dann wäre die Konsequenz, dass wir als Stadt keinerlei Mittel im Haushalt eingestellt hätten, mit denen man die Oberamteistraße oder die Jugendtreffs in Gönningen und Ohmenhausen umsetzen könnte.
Und selbst wenn die GWG akzeptieren sollte wer steuert dann die Umsetzung? Die LINKE
LISTE hält bei einem Projekt wie der Oberamteistraße eine kontinuierliche Berichterstattung für erforderlich. Der GWG-Aufsichtsrat tagt zwei bis dreimal jährlich, und kann genau dies nicht gewährleisten. Nur im Gemeinderat können wir die Umsetzung genau im Auge und das Heft des Handelns behalten. Gerade beim diffizilen und langwierigen Projekt der Oberamteistraße steht die LINKE LISTE dafür, dass die Entscheidungen nahe am Bürger getroffen werden und nicht in der Nichtöffentlichkeit des
Aufsichtsrates. Besonders die Grünen beanspruchen für sich, auch für diese Transparenz zu
stehen. Dazu kommt: Die GWG verfügt über keine größere Kompetenz in der Sanierung solcher spezieller Gebäude als die Stadt selbst. Auch sie muss diese Kompetenzen von außen einkaufen, wie die Stadt es müsste also wozu derartige Manöver, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen?

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Breite Zustimmung der Stadträte für Vorstoß der Linken – Antrag auf mehr Einblick

VON ANDREA GLITZ  – GEA  28.01.2017

REUTLINGEN. Vom Wohnungsbau über die Dichte des Busnetzes bis hin zu Gas-, Strom- und Wasserpreisen: In kommunalen Unternehmen werden viele Entscheidungen getroffen, die unmittelbare Auswirkungen auf den Bürger haben. In den meist als GmbH geführten Tochterunternehmen wird zudem viel Geld bewegt, verbaut – und bei der Reutlinger Wohnungsgesellschaft GWG und dem Energieversorger Fair-Energie auch verdient.

Welchen Einfluss kann die Politik nehmen? Sprich das Gremium Gemeinderat, aber auch diejenigen Gemeinderäte, die aus den einzelnen Fraktionen als Aufsichtsräte in die kommunalen Gesellschaften entsendet werden? Immer wieder wird aus den Reihen des Rats Kritik laut, dass die Einflussnahmemöglichkeiten auf die Geschäftsführer von Stadtwerken und Co. zu gering seien.

Die Öffentlichkeit wird in der Regel lediglich mit den Auswirkungen von Entscheidungen konfrontiert. Aber auch Gemeinderäte, die nicht im Aufsichtsrat sitzen, erfahren relevante Informationen nach eigenem Bekunden oft erst aus der Zeitung.

Zum Schweigen verdonnert

Auflagen wie eine strenge Verschwiegenheitspflicht für die Stadträte in den Aufsichtsräten erschweren die Arbeit der Kommunalpolitiker: Über die stets nicht öffentlichen Sitzungen dürfen sie streng genommen nicht einmal den Kollegen in den Fraktionen berichten. Wer sich beim Plaudern erwischen lässt, kann strafrechtlich belangt werden. Aufsichtsräte können zudem für gravierend unternehmensschädliches Fehlverhalten in die persönliche Haftung genommen werden.

Die traditionell starke Stellung der Oberbürgermeister in Baden-Württemberg findet derweil Fortsetzung auch in den städtischen Beteiligungsgesellschaften. Die Stadtoberhäupter haben in den wichtigen Gesellschaften oft Schlüsselstellungen inne: als Aufsichtsratsvorsitzende, aber auch als Vertreter der Stadt in der Gesellschafterversammlung.

In Beteiligungsgesellschaften, die komplett in städtischer Hand sind, in Reutlingen etwa bei den Stadtwerken, sitzt Oberbürgermeisterin Barbara Bosch mit sich allein in der Gesellschafterversammlung.

»Stärkung Bürgernähe, Transparenz und kommunale Demokratie: Heraus aus den geheimen Aufsichtsräten – die strategische Ausrichtung städtischer Unternehmen gehört in den Gemeinderat« – unter dieser Überschrift fordern die beiden Gemeinderäte der Linken Liste, Thomas Ziegler und Jessica Tatti, unter anderem mehr Fortbildung: Konkret eine Informationsveranstaltung, die die Reutlinger Gemeinderäte auf den neuesten Stand bringt, »welche Möglichkeiten sie haben auf die Grundzüge der Geschäftspolitik von Gesellschaften, an denen die Stadt Reutlingen beteiligt ist, Einfluss zu nehmen«, wie es im Antrag heißt. Experten sollen die Räte dabei auch über die aktuelle Lage in Sachen Verschwiegenheitspflicht aufklären.

Haushaltsrede von Thomas Ziegler im Kreistag am 14.12.2016

Thomas Ziegler

Thomas Ziegler

Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrter Herr Landrat,
die heutige Haushaltsdebatte wird – die Beiträge meiner Vorredner haben es bereits anklingen lassen – eine für langjährig gewohnte Übungen einigermaßen singuläre Thematik aufweisen:
Das Ansinnen aus Reihen nicht unmaßgeblicher politischer Kräfte unseres Gremiums auf Anhebung der Kreisumlage über den Vorschlag des Verwaltungsentwurfs hinaus!
Nicht nur werden wir Kreisräte der Linken die uns dazu heute vorliegenden Anträge mittragen – die Sanierung, also dringend notwendige Gesundung des Reutlinger Kreishaushalts ist uns seit jeher ein dringliches, wenn auch – mit Blick auf den Hebesatz der Kreisumlage – bisher eher einsam verfolgtes politisches Anliegen.
Im föderalistischen Aufbau unseres Staates kommt sämtlichen Gebietskörperschaften – also Bund, Ländern und Gemeinden – ein eigenständiges Recht auf selbstverantwortete Einnahmen zu;
lediglich die Landkreise bleiben – abgesehen von der marginalen Grunderwerbsteuer – davon ausgeschlossen.
Die Stadt Reutlingen bspw. bestreitet die Einnahmen ihres Ergebnishaushalts zu recht genau 50 % aus Steuereinnahmen in Höhe insgesamt 160 Mio. €. Dazuhin verfügen die Gemeinden bekanntlich über ein eigenes Steuerfindungsrecht.
Der Landkreis Reutlingen muss sich demgegenüber zu knapp 37 % aus der Kreisumlage finanzieren; seine eigenen Einnahmen aus Grunderwerbsteuer umfassen gerade einmal 4 %.
Die Landkreise hängen damit ebenso strukturell wie stetig in unverhältnismäßigem Umfange am Tropf ihrer Gemeinden. Die Ergebnisse daraus können gerade an unserem Landkreis festgemacht werden: wir sind, obwohl mit einer der vergleichsweise geringsten Personalausstattung versehen, der am dritthöchsten verschuldete Kreis in ganz Baden-Württemberg.
Führen wir uns vor Augen: Seit Jahren beraten wir über eine funktionale Beherbergung unserer Verwaltung. Als jüngere Ergebnisse bildet sich heraus, dass unser Kreis sich zu einem Neubau für seine herzhaft verstreute Verwaltung schlicht in keiner Weise in der Lage sehen wird. In erster Linie die Anmietung von Räumen bei privater Seite steht im Blickfeld mit der Folge, dass anschließend unsere Kreisimmobilien – ganz überwiegend in der hochattraktiven Reutlinger Oststadt – zur Verwertung, also wohl Veräußerung anstehen müssten.
Welche Gemeinde aus unserem Landkreis wollte sich ernsthaft zumuten, ihr Rathaus verkaufen zu müssen und ihre Verwaltung bei Privaten zur Miete unterzubringen?
Bei gelegentlichen Empfängen, etwa zuletzt unseres Ministerpräsidenten, pflegt Landrat Reumann unseren Landkreis gern als „den schönsten im Land“ vorzustellen.
Diese Charakterisierung ist in ihrem Einfallsreichtum steigerungsfähig.
Mit anderen Worten: Unser Landkreis bedarf verstärkt der Profilierung.
Unser Biosphärenreservat etwa nimmt erkennbar Fahrt auf und eine ausgesprochen erfreuliche Entwicklung.
Die ersten, für unseren Landkreis deutlich erkennbaren Früchte daraus bedürfen jetzt aber der weiteren Veredelung, etwa in Richtung Flankierung von Wirtschaftsförderung samt Unternehmensgründungen sowie Vernetzung mit kulturellen Angeboten.
Als weitere Denkanstöße:
Welcher Landkreis vermag derart attraktive kommunale Infrastrukturen aufzuweisen wie etwa ein Kreisklinikum mit drei über den Kreis verteilten Häusern, darunter ein Haus der Zentralversorgung als Lehrkrankenhaus einer Universitätsklinik?
Welcher Landkreis kann derart kulturelle Highlights aufbieten wie unser Reutlinger mit etwa der Württembergische Philharmonie, einer ganzen Theaterlandschaft mit mehreren namhaften Bühnen nebst in Kürze Theaterhaus oder das inzwischen überregional hochrenommierte franz. K?
Als eine der vor uns liegenden Aufgaben bietet sich deshalb geradezu an, diese Kulturangebote aus eher städtischen Bereichen zum wechselseitigen Austausch und Vorteil zu verknüpfen und zu vernetzen mit jenen, die sich aus dem eher ländlichen Raum heraus erfreulich erfolgreich entwickelt haben.
Genau darauf zielt einer unserer Haushaltsanträge – die für die heutige Beratung erneut aufgerufen bleiben – zur (einstiegshalber) Anhebung des Personals sowie der Sachmittel im Kulturbereich des Landratsamtes. Es wäre sehr zu wünschen, dass diesem Anliegen heute höherer Zuspruch widerfährt als in den vorausgegangen Vorberatungen.

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Linke-Liste sieht Luft nach oben bei Gewerbesteuer

Reutlinger Generalanzeiger 23.11.2016

Haushalt – Hebesatz soll auf 400 Punkte: Linke Liste will für Mehrausgaben die Wirtschaft in die Pflicht nehmen

Linke-Liste sieht Luft nach oben bei Gewerbesteuer

VON HANS JÖRG CONZELMANN

REUTLINGEN. »Mängel im Bereich Jugend« sehen die Linken im Haushaltsplan der Stadt für die Jahre 2017/18. Gemeinsam mit anderen Fraktionen wollen sie den Jugendtreff in Gönningen ersetzen, in Ohmenhausen einen neuen Jugendtreff bauen, wie dies bereits vor zwei Jahren beschlossen wurde. Beides kostet 450 000 Euro, wurde im Laufe des Jahres aber mittels einer »Prioritätenliste« verschoben, unter anderem deshalb, weil das Geld für Schadstoffsanierungen und Flüchtlingsunterkünfte gebraucht wurde. »Beschlossen ist beschlossen«, sagt Stadträtin Jessica Tatti.

Linken-Vorschlag für den Haushalt: 18000 Euro jährlich fürs »Kamino«.

Linken-Vorschlag für den Haushalt: 18000 Euro jährlich fürs »Kamino«. FOTO: Gerlinde Trinkhaus

Für die Jugend gibt es deshalb von den Linken ein ganzes Bündel von Anträgen. Unter anderem soll das selbstverwaltete Jugendhaus Zelle bedient werden – zum 50. Geburtstag mit einem einmaligen Zuschuss von 15 000 Euro. Familien sollen entlastet werden, indem sie für das dritte Kindergartenjahr keine Gebühren bezahlen müssen. Das dürfte zwischen einer und 1,4 Millionen Euro kosten.

»Eine gewisse Reserviertheit der Verwaltung«

Gleich teuer wird der Ausbau der Minna-Specht-Gemeinschaftsschule (früher Hermann-Hesse-Realschule und Gerhard-Hauptmann-Schule). Während die Hofmann-Schule in Betzingen und das Bildungszentrum Nord (BZN) Eingang in den Haushaltsplanentwurf fanden, ist die Minna-Specht-Schule nicht berücksichtigt. Eigentlich sollte der erste Bauabschnitt bereits erledigt sein, geschehen ist aber nichts. Die zeitliche Verzögerung halten die Linken für nicht akzeptabel. Die Schule gerate ins Hintertreffen, befürchtet Stadtrat Thomas Ziegler. »Wir vermuten gegenüber dem Projekt Gemeinschaftsschule eine gewisse Reserviertheit der Verwaltung.«

Die Vergabe des Gutscheinheftes soll außerdem gerechter werden. »Etliche Personengruppen fallen raus«, sagt Tatti. Unter anderem sollen Empfänger von Wohngeld und deren Kinder in den Empfängerkreis aufgenommen werden, ebenso Menschen, deren Einkommen das Existenzminimum um nicht mehr als 30 Prozent überschreiten.

Im Bereich Kultur stellen die Linken den Antrag, das Programmkino »Kamino« mit jährlich 18 000 Euro zu unterstützen. »Wir finden es sehr schade, dass es bereits zum zweiten Mal von der Verwaltung überhaupt nicht anerkannt wird«, kommentiert Tatti das Fehlen eines Zuschusses im Haushaltsentwurf. Ziegler sieht die Nichtaufnahme als »Affront, der unverständlich bleibt«.

Sträflich vernachlässigt sehen die Linken die Bezirksgemeinden im neuen Haushalt. Es sei nicht einzusehen, dass mehrere Anträge von der Verwaltung abgelehnt worden seien. Geht es nach den Linken, wird die Echaz-Brücke in Betzingen möglichst schnell hochwasserfest gemacht, die Herzog-Ulrich-Halle in Reicheneck ertüchtigt und die Sanitäranlagen in der Gemeindehalle in Rommelsbach saniert. Für die Kulturscheune in Oferdingen sollen vorsorgliche Mehrkosten in Höhe von 90 000 Euro in den Haushalt einfließen.

Decken möchten die Linken ihre Mehrausgaben mit einer Anhebung des Gewerbesteuerhebesatzes um 20 Prozentpunkte auf 400 v.H. Das würde pro Jahr 2,5 Millionen Euro bringen. »Wir sehen die Wirtschaft in der Pflicht«, sagt Ziegler. Man wolle niemanden schröpfen, aber die Wirtschaft müsse in dem Maße in die Pflicht genommen werden, wie dies vergleichbare Städte bereits tun.

Ferner wollen die Linken einen Posten streichen, der pro Jahr mit rund 30 000 Euro kalkuliert sei, nämlich die Gutachten- und Rechtsberatungskosten für die Auskreisung. Zwar weise der Haushalt diese Position nicht mehr aus, doch man wolle damit erneut in die Diskussion um das Thema Auskreisung kommen.

Grundsätzlich tragen die Linken die Linie der Verwaltung mit. Die vergangenen Jahre seien von massiven Einschnitten geprägt gewesen. Der aktuelle Investitionskurs der Kommune sei deshalb notwendig. »Wir haben einen enormen Aufholbedarf.« Dazu gehören laut Ziegler das neue Buskonzept im Haushalt, die Oberamteistraße sowie der strategische Erwerb von Grundstücken für Wohnungs- und Gewerbeansiedlung. (GEA)

Die Linke Liste

Die Linke Liste ging gestärkt aus der Kommunalwahl 2014 hervor. Einzelkämpfer Thomas Ziegler hat seither in Jessica Tatti eine Mitstreiterin gefunden. Eine Fraktion bilden die beiden Stadträte jedoch nicht, denn hierfür sind laut der Geschäftsordnung des Gemeinderats mindestens drei Mandate erforderlich. Ihr Antrag auf Änderung des entsprechenden Passus wurde dieses Jahr von einer knappen Gemeinderatsmehrheit abgelehnt. (rh)

Die Anträge

Jugendtreffs Gönningen – Ohmenhausen
Minna-Specht-Gemeinschaftsschule
Gutscheinheft_empfaengerkreiss
Kita_kostenfrei_ein_jahr
Anträge Haushalt_2017_18